Dokumentarfilm Workshop in Kamerun PDF Drucken E-Mail
2 Spannende Wochen in Yaoundé gekrönt mit einen verkaufsreichen "Final Pitch"! Yaoundé 17 -28.05.2010 Goethe Institut.

Im Rahmen des westafrikanischen Filmfestivals „Écrans Noirs“ Filmfestival in Yaoundé (Kamerun) stellte ich dieses Jahr den Dokumentarfilm „Kinshasa Symphonie“ (Claus Wishmann/ Martin Baer 2009) vor. Vorausgehend war allerdings ein 15-tägiger Workshop, organisiert vom Goethe Institut und dem Frauenfilmfestival „Mis Me Binga“, indem ich zusammen mit der Regisseurin Bettina Haasen („Hotel Sahara“) 16 erfahrene und unerfahrene Filmemacherinnen im Bereich Stoffentwicklung und Bild- und Tondimension fortbildete. Narcisse Wandji, Initiator des Frauenfilmfestival „Miss Mi Binga“ hatte gemeinsam mit uns die Auswahl der Teilnehmerin vorgenommen. Wir haben außerdem ein sehr engagiertes Team beim Goethe Institut Yaoundé vorgefunden. Von der Leiterin Frau Irene Bark bis hin zum technischen Leiter Herrn Pipa sind alle dem Kulturauftrag im Allgemeinen und dem Dokumentarfilm ins besonderem zugewandt. Aber vor allem den Kulturwissenschaftler Marc André Schmachtel und Projektassistentin Tekla Worch haben durch ihr Engagement und ihre Kompetenz geglänzt. Das Goethe-Institut in der Hauptstadt Yaoundé will mit deutschen und kamerunischen Filmemachern die Filmkultur als Ausdruck von Selbstbestimmung und Realitätsspiegel fördern und verbreiten. »Insbesondere der Dokumentarfilm wird als Möglichkeit angesehen, sich auszudrücken und die eigene Geschichte zu erzählen«, sagt Schmachtel.
Das Thema des Workshops war: „Wenn eine Idee zum Film wird“. Sehr schnell, am Anfang des Workshops, stellten wir fest, dass viele der Frauen den Unterschied zwischen Dokumentarfilm und fiktivem Spielfilm nicht kennen, erst recht nicht zwischen filmischem Essay, Reportage und experimentellem Dokumentarfilm. Es ging also darum, erst einmal sein eigenes Thema zu finden und dabei auch die schmerzliche Erfahrung zu machen, dass nicht jedes Thema unbedingt eine gute Filmidee ist.

Die meisten aber haben innerhalb dieser zwei intensiven Wochen mithilfe unseres vielseitigen Konzepts und dem angeregten Austausch, ihre anfängliche Idee zu einer vertieften Form von Filmtreatment weiter entwickelt. Die Atmosphäre wurde von Tag zu Tag besser, die Exposes von Pitch zu Pitch überzeugender. Es war ein Wechselbad zwischen Theorie und Praxis. Natürlich wurde die Ton-Dimension von mir nicht außer Acht gelassen und zwei volle Tage technische Ausbildung haben die Teilnehmerinnen die Gefahren der Mini DV-„One (wo-)man show“ nahe gelegt. Vor allem aber, in welchem Maße, ein gut geplantes und ausgeführtes Ton Konzept den Film bereichern kann.

Die 16 Teilnehmerinnen kommen aus unterschiedlichsten Zusammenhängen: einige stehen am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn oder haben sich gerade erst an der Uni eingeschrieben, andere sind allein erziehende Mütter oder berufstätig mit Kindern und Familien. Sie alle hatten am Ende des Workshops die Gelegenheit, unter professionellen Bedingungen ihre Projekte vor Vertretern der GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit), dem kamerunischen Fernsehen und einem lokalen Dokumentarfilmproduzenten zu pitchen. Fünf Filmemacherinnen wurde auf diese Weise eine weitere Zusammenarbeit versprochen, zwar nur mündlich, aber immerhin. Einige werden ausgewählt, an einem Koproduktionstreffen für afrikanische und deutsche Dokumentarfilmregisseure und – produzenten der AG Dok teilzunehmen, das zum zweiten Mal in Yaoundé stattfand. Auszeichnend war die Kraft, die von diesen eindrucksvollen Teilnehmerinnen ausging. Der Blick diese 16 Frauen, Afrikanerinnen, Kamerunerinnen, aber vor allem 16 Künstlerinnen, waren für uns eine große Entdeckung.

Bettina und ich waren jedenfalls absolut begeistert von dem intensiven Austausch und legten bereits im Vorfeld aber auch während der Durchführung großen Wert darauf, nicht etwa eine Sicht auf dem Dokumentarfilm aus dem Norden in den Süden zu importieren. Wir haben von diesem Austausch viel mitgenommen und ich freue mich schon auf erste daraus entstehende Filmprojekte, als auch auf die nächste Gruppe zukünftiger Filmemacherinnen aus Kamerun. Weitere Workshops in Zusammenarbeit mit dem Goethe Institut sind geplant.