Hotel Sahara - Produktion PDF Drucken E-Mail
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HOTEL SAHARA
Buch und Regie: Bettina Haasen
Kamera: Jacko van T`Hof
Ton: Pascal Capitolin
Schnitt: Kristine Langner
Bildformat: 1:1.85
Tonformat: Dolby SR
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2009
Länge: 89 (Min.)
Verleih: Neue Visionen
Kinostart: 06.08.2009


Eine kleine Stadt an der mauretanischen Küste ist das Casablanca des 21. Jahrhunderts. Hier, zwischen Wüste und Meer, im Hotel Sahara, begegnen sich zahllose Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa. Reisende aus allen Staaten südlich der Sahara erreichen diesen Schmelztiegel der Kulturen, der seit Jahrzehnten Menschenströme aufnimmt und sie über das Meer weiter in Richtung Spanien schickt. Doch was den meisten als hoffnungsvoller Ausgangspunkt für ein neues Leben gilt, erweist sich allzu oft als Endstation der Migrations-Träume. Denn bei dem Versuch, die horrenden Kosten für die lebensgefährliche Überfahrt in kleinen Pirogen aufzutreiben, bleiben unzählige Frauen und Männer in Nouadhibou stecken.

Lamiya träumt davon, ein berühmter Fußballheld zu werden. Seinen Fußball würde er über jeden Ozean mitnehmen. Chichis Vater hat sein Land verkauft, um der Tochter die Reise nach Europa zu ermöglichen. Kevin hat die Illusionen über das gelobte europäische Festland bereits aufgegeben, doch kann er auch nicht mit leeren Händen in seine Heimat zurückkehren.

„Hotel Sahara“ ist die intime Momentaufnahme eines Provisoriums. Zwischen Ankunft und Abreise, zwischen Todesnachrichten und Hoffnungseuphorie, zwischen Zukunftsträumen und der enttäuschenden Gegenwart behaupten die Protagonisten eine faszinierende Kraft und Energie. Bettina Haasen porträtiert sie in atmosphärischen und eindringlichen Bildern, die ihre Wünsche und Ängste spürbar und unvergesslich machen.

Director's Note
Die Freiheit und Freizügigkeit, mit der wir uns heute bewegen, ist schon lange nicht mehr für jeden selbstverständlich. Seit einigen Jahren beschäftige ich mich mit einem Mikrokosmos im Wartezustand und den ihm inne wohnenden Menschen auf dem Sprung – gefangen in ungewollter Immobilität. Es ist ein Nichts, ein riesiger Transit-Raum, der diese Menschen aus Ghana, Kamerun, Togo, Nigeria und aus vielen anderen afrikanischen Ländern beherbergt. Nouadhibou in Mauretanien – die letzte Station vor der Überquerung des Atlantiks. Der große Drang „Wegzukommen“ und die unhinterfragte Annahme, in Europa sei alles besser, hat mich anfänglich bewegt - später genügte es mir nicht mehr. Nur ein Bruchteil der afrikanischen Flüchtlinge schafft es auf die andere Seite, die ungefähr 1000 km entfernt ist.

Ich suchte nach einer Antwort hinter der offensichtlichen Erklärung. Ich wollte hinter die Statistiken, anonymen Gesichter und stereotypen Bilder von gestrandeten Booten sehen und besser verstehen, was es bedeutet, jenseits von Sicherheit und familiärer Bindung unterwegs und gleichzeitig gestrandet zu sein. Bereits aufgebrochen, aber noch nicht angekommen.

Ein Leben im Wartezustand. Diesen Zustand des „Dazwischenseins“ wollte ich in der Bild- und Tonsprache einfangen und atmosphärisch fühlbar machen, und damit den verschiedenen Facetten im Transit-Dasein näher kommen. Jeder von uns kennt den Wunsch, sich kontinuierlich neu zu erfinden. In Bewegung zu bleiben. Die eigenen Träume in die Realität umzusetzen.

Während meiner langjährigen Recherche an unterschiedlichen Durchgangs-Orten bin ich vielen Biografien und Schicksalen begegnet, die mich mit meiner eigenen selbstverständlichen Freiheit konfrontiert haben. Diese Menschen, denen ich begegnet bin, haben eine besondere Unverwundbarkeit: Sie haben nichts mehr zu verlieren!

"Hotel Sahara" ist für mich ein Ort, der in seinem Inneren, zwischen Wüste und Atlantik, aufgelöste Existenzen beherbergt, die sich im Provisorischen eingerichtet haben und nur eins besitzen: ihre Träume.
- Bettina Haasen