Die Anwaelte - Eine deutsche Geschichte PDF Drucken E-Mail
Director: Birgit Schulz
Der Film „Die Anwälte – Eine deutsche Geschichte“ von Birgit Schulz wird mit dem PHOENIX-Dokumentarfilm-Preis 2010 ausgezeichnet, der mit 10.000 Euro dotiert ist!

Anfang der 70er Jahre kämpfen drei linke Anwälte gegen die BRD als restriktiven Staat. Vor Gericht verteidigen sie Menschen, die als Staatsfeinde gelten. Heute ist der eine Bundesinnenminister a.D., der zweite das linke Gewissen der Grünen, der dritte als Holocaust-Leugner verurteilter Rechtsextremist.

Otto Schily, Hans-Christian Ströbele und Horst Mahler: Mit Regisseurin Birgit Schulz sprechen die drei Anwälte über die Zeit, in der sie die Angeklagten der RAF-Fraktion vor Gericht verteidigten, über ihre Ideale, ihre Lebensträume dieser Zeit – und darüber, was daraus wurde. Und jeder der drei glaubt, sich treu geblieben zu sein.

Ein Foto ist der Ausgangspunkt für diesen Film, ein Foto, das drei Männer in einem Berliner Gerichtssaal abbildet: Otto Schily, Hans Christian Ströbele und Horst Mahler, Anfang der 70er Jahre. Damals sind alle drei Anwälte der APO, der linken außerparlamentarischen Opposition. Mahler sitzt auf diesem Bild auf der Anklagebank; Schily und Ströbele sind seine Verteidiger. Den Staat, die Bundesrepublik Deutschland, sehen sie als Unterdrücker politischer Freiheit und als Vasallen der USA. Die drei Anwälte wollen eine andere Republik.

Uneins sind sie sich über den Weg dorthin. Mahler hat einen Molotow-Cocktail geworfen und versucht, der RAF Waffen zu besorgen; die Waffen der beiden anderen sind Worte. Was diese drei Männer damals verbindet, ist der Kampf für ihre Vorstellungen von einer „linken Gerechtigkeit.“ Gemeinsam gehen sie das Risiko ein, sich öffentlich mit Menschen zu solidarisieren, die als Staatsfeinde gelten und führen spektakuläre politische Prozesse: Sie legen sich mit Axel Springer an, mit Polizeipräsidenten, hohen Richtern und verbringen manches Wochenende miteinander.

Heute ist der eine SPD-Bundesinnenminister a.D., der andere ist das linke Gewissen der Grünen im Bundestag und der dritte eine zentrale Figur der rechten Szene. Sie decken das politische Spektrum der Bundesrepublik ab: Ströbele ist der unbeirrbare Linke, Schily der Bürgerliche in der konservativen Mitte, Mahler der Rechtsextreme.

Heute, 38 Jahre später, wäre es nicht mehr möglich, das Trio für ein gemeinsames Foto zu gewinnen. Schily und Ströbele gehen sich aus dem Weg, beide meiden jede Nähe zu Mahler.

Der Film verfolgt die Biografien von drei Männern, die derselben Generation angehören und die sich in derselben bundesdeutschen Wirklichkeit entwickelt haben. Regisseurin Birgit Schulz untersucht, was diese Männer geprägt hat, welche politischen Ideale sie verbunden haben und an welchen Punkten sie drei ganz unterschiedliche Wege eingeschlagen haben, um am Ende Gegner zu werden.

Der Film erzählt zunächst von großen Lebensträumen, dann von Entfremdungen, Verletzungen und aufgekündigten Beziehungen und zu guter letzt von neuen Träumen. Während der Dreharbeiten wurden die drei mehrere Tage lang interviewt. Im Verlauf der Gespräche kam es zu vielen intimen und berührenden Aussagen, die diese deutsche Geschichte in die Tiefe führen.

Fast erscheint, was in den einzelnen Biografien auf den ersten Blick widersprüchlich aussieht, im Verlauf der Geschichte logisch. Denn in sich und getrennt voneinander betrachtet, haben alle drei Lebensläufe eine gewisse Konsequenz – und jeder der drei würde immer von sich behaupten, dass er sich selbst über all die Jahre treu geblieben ist...


Buch und Regie: Birgit Schulz
D.P.: Isabelle Casez und Axel Schneppat
Ton: Pascal Capitolin und Jens Kraehnke
Schnitt: Katharina Schmidt
Bildformat: 1:1.85
Tonformat: Dolby SR