Kinshasa Symphonie PDF Drucken E-Mail
Kinshasa Symphonie

KINSHASA SYMPHONIE
Regie: Claus Wishmann & Martin Baer
D.P.: Martin Baer
Location Sound: Pascal Capitolin
Concert rec.: Pascal Capitolin & Karsten Höffer
Sound Editing: Pascal Capitolin & Karsten Höffer
Filmformat: 35 mm
Aufnahmeformat: HD
Tonformat: Dolby 5.1 Digital
Bildformat: 1:1.85
Sounding Images


Kinshasa Symphony - Ein klassisches Orchester im Kongo
Ein Film von Claus Wischmann und Martin Baer

Es ist fünfunddreißig Grad heiß. Die Luft ist feucht und macht das Atmen schwer. Eine staubige Straße, über die einige klapprige Autos rollen, heruntergekommene Gebäude zu beiden Seiten. Dunkelhäutige Menschen mühen sich den aufgerissenen Asphalt entlang, ein alter Mann zieht einen quietschenden Karren hinter sich her, Frauen in bunten Kleidern schreien sich lebhaft etwas zu. Rede und Widerrede. Lachen und Kreischen. Dann wieder heißer Wind, der den Staub aufwirbelt.

Durch den dunstigen Äther ist eine Streichermelodie zu hören. Die Klänge sind wie eine Fata Morgana aus Tönen. Leise sickern sie durch die schwere Luft, vermischen sich mit den Geräuschen des Verkehrs, den Stimmen der Menschen. Auf dem Weg die Straße entlang wird die Musik lauter und lauter. An einer Kreuzung liegt eine ausrangierte Industriehalle, von hier scheinen die ungewohnten Klänge zu kommen. Das rostige Tor ist offen, einigen Fenstern fehlt das Glas. Langsam bewegt sich die Kamera an dem Gebäude entlang, bis sie schließlich den Blick in das Innere freigibt. Dort sitzt dichtgedrängt das „Orchestre Symphonique Kimbanuiste“. Das einzige Symphonie-Orchester Schwarzafrikas probt Mozart.

Es sind siebzig Instrumentalisten, die auf den weißen Plastikstühlen Platz genommen haben. Hinter und neben ihnen stehen die achtzig Sänger. Sie alle sind bunt gekleidet, viele sind barfuss. Das Orchester spielt das Requiem von Mozart. Noch haben die Musiker Probleme mit der vertrackten Partie, hilfesuchend schauen sie nach vorn. Dort steht Armand Diangienda auf einem improvisierten Pult. Mit ruhigen und bestimmten Gesten versucht der Dirigent etwas Klarheit in die Interpretation zu bringen. Im Mai soll das Werk im Grand Salle von Kinshasa, der Hauptstadt des Kongo, aufgeführt werden. Bis dahin ist noch eine Menge zu tun für die Musiker und den Dirigenten.

Armand Diangienda ist Pilot von Beruf. Er ist das sechste von sieben Kindern eines Organisten der Kimbanuisten-Kirche, einem im Kongo weit verbreiteten Ableger des Christentums mit stark volkstümlichem Einschlag. Sein Vater hat Armand Diangienda und seinen Geschwistern den Auftrag gegeben, sich gesellschaftlich zu engagieren. So hat Armand zusammen mit einem Bruder das erste klassische Orchester im Kongo gegründet. „Das, was wir tun, vermittelt den Musikern ein anderes Bild von sich selbst. Es zeigt ihnen, dass sie ernsthafte Persönlichkeiten und Vorbilder sind." Armand Diangienda spielt selbst Cello und komponiert. In diesem Jahr soll das Orchester neben Mozart auch seine neueste Symphonie aufführen. Um das anspruchsvolle Programm zu meistern proben sie jeden Tag mehrere Stunden bis zum Einbruch der Dunkelheit.

Die meisten der über zweihundert Musiker und Sänger sind Autodidakten und Amateure. Sie kommen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten. Ärzte und Handwerker sind dabei, der überwiegende Teil aber ist arbeitslos. Viele haben kaum genug Geld, um sich und ihre Familie zu ernähren. Einige Instrumente hat das Orchester günstig in China erworben, die besonders teuren Klangkörper, wie die Kesselpauken, werden selbst hergestellt. Auch die schönen Kleider für die Frauen und die blauen Jackets für die Männer sind selbst genäht. Mit vierzehn Jahren ist Hervé Lélé der Jüngste im Orchester. Er spielt das Horn und hat einen Traum: Irgendwann werden sie alle zusammen in ein Flugzeug steigen und nach Paris fliegen. Dort, in der fernen Großstadt werden sie ein Konzert geben, davon ist er überzeugt. Ein Teil des Traums soll schon in diesem Jahr Wirklichkeit werden. Zehn ausgesuchte Orchestermitglieder dürfen im August zu einer Fortbildung nach Paris fliegen.

Der Film dokumentiert wie ein Orchester in Kinshasa bestehen kann. Und er zeigt, wie Träume manchmal Berge versetzen. Zwei Vorgespräche mit dem Dirigenten Armand Diangienda haben bereits stattgefunden. Er ist sehr an einer Dokumentation über sein Orchester interessiert.

Prominente und unbekannte Protagonisten zeigen den beiden Regis seu - ren ihr persönliches Berlin und gewähren Einblicke in ihr Leben. Zu ihnen ge hö ren der türkische Filmstudent Hakan Savas Mican und der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier, die Polit-Moderatorin Maybrit Illner und der Techno-Unternehmer Dimitri Hegemann, der Schriftsteller Peter Schneider und die behinderte Schauspielerin Nele Winkler, der türkische Kioskbesitzer Ercan Ergin und die Architekten des Berliner Büros Graft, Clara Leskovar und Doreen Schulz vom Modelabel C.Neeon, der Regierende Bür - ger meister Klaus Wowereit sowie der Musiker Alexander Hacke und die Künstlerin Danielle de Picciotto.

Die Stadt ist in ständiger Bewegung, und mit ihr sind es die Menschen. Die beiden Regisseure greifen diese Dynamik auf und übersetzen sie in den visu ellen Stil ihres Films. Ihre Gespräche mit den Protagonisten entstehen aus der jeweiligen Situation und finden in der Regel in Bewegung statt, im Gehen wie im Fahren. Sie kehren im Verlauf des Films mehrmals zu ihnen zurück und verfolgen die Entwicklung ihrer Projekte. Immer ist ungewiss, wie sie ausgehen werden, ob sie scheitern oder erfolgreich sind.